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Norden der Stadt liegt die Gemeinde Niederwerrn/ Oberwerrn, die im Mittelalter
Werna genannt wurde. Um 1235 wurde Hugo von Werna, später Hugo von Trimberg
genannt, dort geboren. Die Herren von Trimburg förderten den begabten Buben,
der nach 1260 in Bamberg am Stift St. Gangolf als Lehrer und Rektor tätig
war. Um 1300 beendete Hugo das fast 25000 Verse umfassende mittelhochdeutsche
Lehrgedicht "Der Renner", das Zeugnisse früher Formen des Puppenspiels
enthält, so dass Hugos Berichte für die Theaterforschung ein besonderes
Licht auf die Region Schweinfurt - Bamberg fallen lassen. Schweinfurt
war als freie Reichsstadt sicher auch Anziehungspunkt für fahrendes Volk,
Gaukler und Theaterleute. Als Raststation auf dem Weg zwischen Frankfurt und Nürnberg
ist davon auszugehen, dass auch Puppenspieler in Schweinfurt immer wieder Spielgelegenheiten
suchten. Auch
der Figurenspieler Balthasar Klein aus Joachimsthal besuchte die Stadt und ließ
hier 1582 von Valentin Kröner den Text "Jonas. Ein lustigs/auch kurtzes/und
nicht minder nutzes Spiel/von der Bußpredigt Jone des Propheten zu Niniue"
drucken. Diese Schrift stellt den frühesten gedruckten Puppenspieltext dar
und ist für die Theaterforschung von großer Bedeutung. Das einzige
erhaltene Exemplar wurde unlängst in der Bibliothek der Universität
Krakau wieder aufgefunden. Die
vermutlich ältesten Schweinfurter Figuren aus dem nicht näher bekannten
"Kasperltheater Meyer" entstanden wohl gegen Ende des 19. Jh. Hans Ehrbar
kaufte diese Puppen 1927 für sein "Original Schweinfurter Kasperltheater".
Die meisten seiner Figuren schnitzte Joseph Bendel aus Würzburg. Ehrbar war
mit diversen Kasperstücken, Sagen und dem "Docktor Johannes Faust"
auf dem Handwagen eine bekannte Puppenspieler-Persönlichkeit in der Region.
Neben Ehrbar
betrieb Otto Eberhard eine kleine Handpuppenbühne. Seine Märchen wurden
von der Firma Fichtel & Sachs in Buchform veröffentlicht und von Eleonore
Sachs illustriert. Eine bedeutende, im Süden Deutschlands sehr bekannte
Handpuppenbühne waren die "Coburger Künstlerischen Puppenspiele",
die von Lydia Gerlicher und Schorsch Müller 1945 in Coburg gegründet
wurde. Die Bühne arbeitete auch mit dem Rundfunksender Radio Frankfurt zusammen.
Müller war 1947 Mitbegründer des Verbandes Deutscher Puppenspieler.
Auch ein Buch "Kasperle ist da" mit farbigen Abbildungen der Figuren
von Alfredo Bannenberg erschien. Der Name der Bühne wurde bis zum Ende 1982
nicht geändert, obwohl sie seit 1951 in Schweinfurt beheimatet war. 
Figuren zu "Doktor Faust"
von Uwe Brockmüller - Kostümgestaltung: Kathrin Brockmüller
Seit
1969 war das aus Lübeck stammende "Puppentheater ohne Namen" von
Karin und Uwe Brockmüller in Oberwerrn ansässig. Im Oktober 1971 begann
die Spieltätigkeit, die jeweils 1976 und 1978 zum 1. Preis im Wettbewerb
der Amateurbühnen in Bochum führte. Seit 1973 wurden die Schweinfurter
Puppenspieltage von dieser Bühne organisiert. 2008 wurde Brockmüller
mit der "Spielenden Hand" des Verbandes Deutscher Puppentheater geehrt.
Am 30. Juni 2009 starb Uwe Brockmüller unerwartet plötzlich. Sein Vermächtnis
ist unter anderem ein umfangreiches Manuskript einer Schweinfurter "Puppentheater-Geschichte
in Umrissen", das aus leidenschaftlicher Sammlertätigkeit und auf Basis
jahrelanger intensiver geschichtlicher Studien entstand. Das "Puppentheater
ohne Namen" konzentrierte seinen Spielbetrieb zuletzt auf gelegentliche Abendvorstellungen
für Erwachsene, etwa mit Brockmüllers "Doktor Faust", dem
"Freischütz" und "Don Juan". Dabei plante und schrieb
Uwe Brockmüller auch immer weiter an eigenen, neuen Projekten, u.a. den "Griechischen
Mordslustspielen", die nicht mehr zur Aufführung kamen.
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Uwe Brockmüller mit Südchinesischen Fadenmarionetten, 1. Hälfte
des 20 .Jahrhunderts (Foto C. P. Gras) | Lit.:
Theater aus dem Koffer, Schweinfurter Museumsschriften Nr. 77, 1998; Heimatbuch
Oberwerrn Teil 1, 1959; Puppentheater-Geschichte in Umrissen, 2006 (Manuskript
unveröffentlicht) |